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Rottenburger pilgerten via Horb (März 2003 - Rottenburger Zeitung?) abgescannt mit OCR

Auf den Spuren der mittelalterlichen Jakobuswege in Süddeutschland

ROTTENBURG (nun). Der Referent kam gerade aus Spanien zurück, wo er in drei Wochen etwa 500 Kilometer auf dem Jakobusweg von Sevilla nach Zamora gewandert war. Der Kulturwissenschaftler Wolfgang W. Meyer sprach am Donnerstag bei der Volkshochschule über die Ursprünge der Jakobuspilger­fahrt und die mittelalterliche Pilgerwege in Süddeutschland: Von Rottenburg aus führte der Weg über Horb.

Vier Jahre lang arbeitete Meyer an einem grenzüberschreitenden Projekt zur Kennzeichnung der alten Pilgerwege. Neben der theoretischen Ausei­nandersetzung musste er auch ins Feld. „Die Wege selbst zu begehen", sagte er, „fügt dem Ganzen die wesentliche Komponente hinzu." Die meisten Pilgerrouten, so Meyer, beruhen auf alten Wirtschaftswegen und die wiederum folgen häufig römischen Handelsstraßen. Die heutigen Pfade seien teilweise nicht mehr ganz original, weil etwa aus der Strecke über Balingen nach Süden teilweise die B 27 wurde. Damals, so Meyer, härten die Pilger gern etwa die Postkutschenrouten gewählt, weil die einfach sicherer waren. Entlang des französischen Weges hat es laut Meyer eines reges Bandenwesen gegeben.

Der Kulturwissenschaftler skizzierte vor rund 80 Interessierten die Routen in Süddeutschland, untermalt mit Dias. Von Rottenburg aus etwa führte der Weg über Horb (dieser Abschnitt wird am 12. April offiziell eröffnet, mit Stationen in St. Moriz und im Dom), Loßburg, durchs Kinzigtal nach Straßburg und von dort über die burgundische Pforte nach Süden. Einen legendären Ruf genoss bei den mittelalterlichen Pilgern wohl das schweizerische Einsiedeln südlich von Konstanz. Wer diesen Ort nicht auslassen wollte, musste die Strecke über Hechingen, Balingen, Rottweil, Schaffhausen oder über Konstanz nehmen, oder den gut ausgeschilderten Schwabenweg nach Süden.

Dem Neuen Testament zufolge war Jakobus einer der Jünger Jesu und starb den Märtyrertod. Der Legende nach wurde sein Leichnam nach Spanien gebracht und dort begraben. Das Grab soll von Karl dem Großen wieder entdeckt worden sein, und der soll ihm auch um 830 eine Kirche und ein Kloster gebaut haben. So entstand Santiago de Compostela. Bis die Nachricht Europa erreichte, dauerte es eine Weile, Den Höhepunkt der Pil­gerfahrten sieht Meyer zwischen dem 11. und 15. Jahrhundert. Die frühen Pilger fanden ihren Weg nur durch Herumfragen. „Auf den rund 2000 Kilometern von hier bis Santiago ist es schon unvorstellbar, wie viel Unbekanntes damals auf die Pilger gewartet hat", sagte Meyer.

Im Mittelalter habe es drei Sorten von Pilgern gegeben. Da waren zum einen die Bußpilger: Wer zu Jakobus Namenstag am 25. Juli nach Santiago kam, berichtete Meyer, dem wurden die Sünden vollständig vergeben - den anderen wenigstens der dritte Teil. Dann gab es aber auch solche, die die Pilgerfahrt gegen Bezahlung stellvertretend für jemanden machten. Für wohlhabende Patrizier schließlich sei es eine Art Bildungsreise gewesen, „nicht selten mit geschäftlichen Interessen".

In Süddeutschland finden sich laut Meyer sogar deutlich mehr Belege für die Pilgerwege als in Frankreich. Von Jakobus gibt es zwei Darstellungen: Die eine zeigt ihn mit Stab, Muschel und Wasserflasche „als gütigen Pilgervater" - so steht er in Rottenburgs St. Morizkirche. Die Muschel übrigens, so erklärte Meyer, kommt an Spaniens Nordwestküste vor und wurde als Pilgerzeichen mit zurück gebracht. In Spanien wird Jakobus auch als Maurentöter dargestellt. Hier zu Lande zeugt die Jakobuskirche in Tübingen vom Pilgerweg. Und in Hirrlingen steht neben der Kirche der Grabstein des 1562 verstorbenen Pilgers Jakob Beyter. „Den normalen Pilger finden wir sonst nicht", stellte Meyer die Bedeutung dieses Steines heraus. Weitere Belege fanden sich etwa in Hechingen, in Rottweil oder im Villinger Münster. Vor allem im Bodenseeraum seien an etlichen Stellen so genannte Pilgerkritzeleien zu sehen. Meyer: „Es war auch damals schon üblich, seine Spuren zu hinterlassen."

Bereits im 15. Jahrhundert setzte der Niedergang der Wallfahrt ein. Luther und Erasmus von Rotterdam wetterten dagegen, Ludwig XIV. stellte sie gar unter Strafe, und in Regens­burg überlegte man, so Meyer, ob man die Pilger nicht gleich aufhängen solle, weil sie nur Unruhe in die Stadt brächten. Heute erlebt die Pilgerfahrt eine Renaissance. Vor zwei Jahren etwa seien im Norden Spaniens rund 70 000 Pilger unterwegs gewesen.